• Seelenklar - Talk mit Ellen Michels

    Seelenklar

    Talk mit Ellen Michels

    Ellen Michels "The Queen of Souls"

24. Sendung vom 19. Okt. 2016

Der fehlende Friede zwischen der Tier- und Menschenseele

19. Oktober 2016 Eine weitere Sendung aus der Serie Seelenklar mit Ellen Michels (Sendung 24). Heute diskutieren Ellen Michelss und Michael Friedrich Vogt auf Burg Schlitz über den Umgang der Menschen mit den Tieren und über die Beziehung der Seelen von Mensch und Tier miteinander.

Die christliche Katholische Kirche sagt, der Mensch dürfe die Tiere als Nahrung nutzen und dürfe auch Kleidung für sich aus Tieren machen. Nicht, daß man ernsthaft vermuten könnte, ein Betreiber einer Massentierhaltungs-Fleischfabrik würde bei der Kirche nach deren Segen für sein Unternehmen nachfragen. Auch Unternehmer, die unter den grausamen Verhältnissen der Nutztierhaltung „Fleisch produzieren“ handeln nicht viel anders als andere erfolgreiche Unternehmer und Investoren. Für sie spielt es keine Rolle, ob dabei Menschen, Umwelt oder Tiere gequält oder zerstört werden – oder ob sie im Einklang mit der Kirche handeln.

Doch – billigt die Kirche mit dieser Erlaubnis, die Tiere. die ebenfalls Geschöpfe Gottes sind, zu „nutzen“, wirklich Tierquälerei? Kommt der katholische Glaube und seine Grundsätze wirklich aus finsterster Zeit, wo der Mensch roh und grausam in seinen Gefühlen, die Tiere als reine Sache ansah und keinerlei Mitgefühl für das Mitwesen Tier aufbrachte?

bild 24 sendungDem ist keineswegs so. Im Gegenteil: Einer der berühmtesten Heiligen ist Franz von Assisi, der Gründer des Franziskanerordens, dessen Mitglieder ein Armutsgelübde ablegen und daher auch den Beinamen „Orden der minderen Brüder“ tragen. Franciscus Assisiensis, geboren als Giovanni Battista, ist einer der berühmtesten Heiligen. Er lebt äußerst bescheiden – genauso, wie Jesus es getan hatte. Über ihn sagt man, er „redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“. Und sein Leitspruch hieß:
„Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder.“

Franziskus war der Sohn eines reichen Tuchhändlers. Sein Vater hielt wenig von der Frömmigkeit seines Sohnes. Er war ein erfolreicher Unternehmer und hatte kein Verständnis, daß sein Sohn arm leben wollte, wie Jesus – („sine glossa“ – ohne jede Hinzufügung). Auch damals, im Jahr 1207 sehen wir den Konflikt des bewußten, empathischen Menschen, der im Tier sein Mitwesen, seinen Bruder erkennt und dem gewinn- und profitorientierten Menschen, der Natur, Tiere und andere Menschen auf seinen Nutzen hin taxiert und benutzt. Auch seinen Sohn sieht er als wertlos an, wenn er seinen Vorstellungen nicht entspricht.

Der heutige Papst, mit bürgerlichem Namen Jorge Kardinal Bergoglio, hat sich als Papstnamen „Franziskus“ erwählt und damit deutlich gemacht, daß er dessen Leitspruch auch für sich annimmt: Die Gleichwertigkeit des Tieres mit dem Menschen als Geschöpfe Gottes.

Auch der Vorgänger von Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI hat sich zur Wertigkeit der Tier geäußert: 2002 wurde er in einem Interview zu den Rechten und der Stellung von Tieren befragt:
„Das ist eine sehr ernste Frage. Jedenfalls sieht man, daß sie uns auch zur Hut gegeben sind, daß wir mit ihnen nicht beliebig umgehen dürfen. Auch Tiere sind Geschöpfe Gottes . . . Freilich, die Art von industrieller Verwendung, indem man Gänse so züchtet, daß sie eine möglichst große Leber haben, oder Hühner so kaserniert, daß sie zu Karikaturen von Tieren werden, diese Degradierung der Lebendigen zur Ware scheint mir tatsächlich dem Zueinander von Mensch und Tier zu widersprechen, das durch die Bibel durchscheint. […] Tiere sind Gottes Kreaturen. Er umgibt sie mit seiner gnädigen Fürsorge. Sie segnen ihn durch ihre bloße Existenz und geben ihm Ruhm. Daher schulden die Menschen ihnen Freundlichkeit. Wir sollten uns an die Sanftmut ins Gedächtnis rufen, mit der Heilige wie Franz von Assisi oder Philip Neri Tiere behandelten. Es widerspricht der menschlichen Würde, Tiere unnötig leiden oder sterben zu lassen.“

Papst Johannes Paul II wurde noch deutlicher. Er stellte klar fest, daß „die Tiere eine Seele besitzen und wir Menschen Liebe für und Solidarität mit unseren kleinsten Brüdern empfinden müssen.” Er führte sogar aus, daß alle Lebewesen, auch die Tiere, aus dem “Atem” Gottes entstanden seien. Tiere besitzen den göttlichen Funken des Lebens, die lebende Eigenschaft, die die Seele ist.

Diese Einstellung zum Tier ist keine besondere Eigenschaft der katholischen Kirche. Auch weit vorher wissen wir, daß Tiere als Mitgeschöpfe eine gleichwertige Rolle im Gefüge der Welt und des Schicksals innehatten. Die Götter der Antike hatten heilige Tiere als Begleiter oder nahmen Tiergestalt an. Zeus bevorzugte es, sich den Menschenfrauen, die er begehrte, als Tier zu nähern. Die junge Prinzessin Europa entführte er in Gestalt eines Stieres, um sie dann für sich zu gewinnen und mit ihre viele Kinder zu haben – die heutigen europäischen Völker. Der schönen Leda konnte er sich als Schwan nähern.

bild2 24 sendungIm alten Ägypten wurden verschiedene Götter in Tiergestalt oder halb Mensch, halb Tier verehrt. Hathor hatte die Gestalt einer Kuh, der Totengott Anubis die eines Schakals. Die Göttin Bastet, die „Sanftmütige“ wurde in Gestalt einer Katze verehrt. Katzen waren daher heilig. Wer eine Katze außerhalb des Tempelbezirkes tötete, hatte sein Leben verwirkt. Die Katze im Haus war mehr als nur ein vollwertiges Familienmitglied:

„Wenn in einem Hause eine Katze stirbt, scheren sich alle Hausbewohner die Augenbrauen ab […]. Die toten Katzen werden nach der Stadt Bubastis gebracht, einbalsamiert und in heiligen Grabkammern beigesetzt.“ – Herodot, Historien II,66–67.[2]

Sie bekamen nach ihrem Tod die Behandlung eines sehr hochstehenden Menschen. Sie wurden einbalsamiert und mumifiziert und in heiligem Boden beerdigt, damit ihre Seele bei der Göttin Bastet sei und sie mit den Pharaonen und Adligen im Jenseits leben konnte. Im Gegensatz zu einfachen Menschen, Arbeitern und Bauern, die keine Seele hatten nach ägyptischer Vorstellung, hatten heilige Tiere, wie die Katze, sehr wohl eine unsterbliche, göttliche Seele.

Es gibt auch Überlieferungen aus der Geschichte, die eine ganz besondere Freundschaft zwischen Menschen und Tieren. So erfahren wir zum Beispiel von Alexander dem Großen, daß er als Knabe sich die Zuneigung und Freundschaft eines ganz besonders schönen, starken, stolzen Hengstes erwarb. Das Tier hatte niemals jemanden als Reiter geduldet, doch den jungen Alexander akzeptierte der Hengst. Die Makedonier achteten den Willen des stolzen Tieres. Alexander fühlte sich geehrt, daß der Hengst ihn als Kameraden erwählt hatte. Der Name des Pferdes war – wegen seiner Größe, seiner Kraft und seines Stolzes – „Bucephalos“, der Ochsenköpfige. Das Verhältnis zwischen Alexander und Bucephalos wird als das von Gefährten beschrieben, nicht von Herr und Eigentümer und dem Tier als Besitz.

Alexander ritt ausschließlich mit Bucephalos in die Schlacht. Der Hengst war berühmt für seine Furchtlosigkeit und sein Mitdenken. In Indien ritt Alexander auf Bucephalos in die Schlacht. Der Hengst und Alexander stellten sich dem größten Kampfelefanten der Verteidiger. Bucephalos starb in diesem Kampf. Er wurde mit einem ehrenvollen Begräbnis beigesetzt, wie ein militärischer Führer. Alexander verwandt den Tod seines Freundes nie. Er erkrankte bals darauf schwer und folgte Bucephalos ins Jenseits.

Heute noch leben die Indianer Nordamerikas mit dem Wissen, daß alles, was lebt, den Schöpfer in sich trägt. Den Lebensfunken, den jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch vom Erschaffer der Welt mitbekommen hat, ist „Manitu“, der große Geist. Niemals würde ein Indianer einen Baum fällen, ein Tier jagen oder einen Wasserlauf benutzen, ohne dem Geist dieser Entität seinen Respekt und Dank mit einer Opfergabe zu erbieten. Er nennt den Adler „Großvater“, den Bären und den Wolf „Bruder“, die Eule „Schwester“ in seinerr Ansprache. In seiner Mythologie und in seinem Glauben spielen Tiere bedeutende Rollen beim Entstehen der Welt, so, wie sie heute ist.

Darin unterscheidet sich die indianische Kultur wenig von der unserer Vorfahren in vorchristlicher Zeit. Auch unsere europäischen Götter – bei Germanen wie bei Kelten – waren nur mit den sie begleitenden Tieren denkbar. Und Tiere, auch mythische Tiere, haben eine große Bedeutung inne bei der Erschaffung der Welt – und bei ihrem Untergang. Die Midgardschlange, die sich um die Welt legt und ihre Grenze ist, der Fenriswolf, der in der Endzeit die Sonne frißt, das Eichhörnchen Rakattl, das als Bote zwischen Menschenwelt und Götterwelt fungiert.

Odins achtbeiniger, weißer Hengst Sleipnir rauscht als Wind durch die Äste des immergrünen Lebensbaumes Yggdrasill. Die Verbindung eines Gottes mit einem weißen Hengst taucht bei sehr vielen Religionen auf. Vishnu reitet ebenfalls auf einem weißen Hengst, der den Sturm symbolisiert. Die letzte Inkarnation Vishnus war Buddha, der neunte Avatar. Der Name des zehnten Avatar Vishnus wird Kalki sein, und er soll ebenfalls auf einem weißen Hengst auf die Erde reiten. Der griechische Sonnengott Helios lenkt ein Gespann aus weißen Pferden über den Himmel. Pegasus, das weißegeflügelte Pferd ist ein Sohn eines griechischen Götterpaares. Das weiße Einhorn ist ein uraltes, mystisches Tier und die Verkörperuing des Lichtgottes und Christi.

Mythische Tiere und ihre geistige Kraft spielten immer eine sehr bedeutsame Rolle im Glauben der Menschen. Sie sind niemals stumpfe Kreaturen ohne Seele, Charakter, Gefühle und Geist. Sie verkörpern Aspekte des Göttlichen, und stehen auf gleicher Stufe, wie die Menschen, bisweilen darüber, zwischen Menschen und Göttern. Der Mensch respektierte sie als mächtige Wesen, die ihren gebührenden Platz in der Welt einnehmen – in der Natur und dem Diesseits genauso wie in der mythischen oder jenseitigen Welt.

Erst die Industrialisierung machte den arbeitenden Menschen zum „Humankapital“, die Tiere wurden vom Mitgeschöpf zur Sache und zum Nutztier degradiert – und der materielle Erfolg und die Anhäufung von Reichtum durch die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur schuf eine neue Herrscherschicht, deren einzige Lebensausrichtung die Gewinnmaximierung um jeden Preis ist. Das Video zeigt, welche Folgen diese Denkungsart für unsere Mitgeschöpfe, die Tiere haben. Es ist die gnadenlose Quälerei fühlender, lebender Wesen.

Stiftung Weisser Engel

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